Geschichte

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Ein Streifzug durch Stadtilm

Begleiten Sie uns zu einem kleinen Streifzug durch unsere Stadt. Lernen Sie die wechselvolle Geschichte Stadtilms kennen und informieren Sie sich über die Sehenswürdigkeiten Stadtilms.

Das genaue Alter Stadtilms ist nicht sicher zu bestimmen. Wie viele Weiler in der näheren Umgebung wird es wohl um das 5. Jahrhundert u.Z. als Furt- oder Brückenort an den „Ulmen vorbeifließender Gewässer“ gegründet worden sein. Später werden in verschiedenen Urkunden noch Ortsnamen wie Ilmene, Ylmen, Ylmenne, Ilmme, Ilmm oder Martilm genannt. Stadtilm wird erstmals in einer Reinhardtsbrunner Urkunde vom 14.9.1114 erwähnt (villa qual dicitur Ilmine; villa = Stadt), jedoch ist dieses Schriftstück nachweislich eine Fälschung.

Förderlich für die Städteentwicklung war auch die Verlegung des durch Günther VII. von Schwarzburg 1267 in Saalfeld gestifteten und 1275 nach Stadtilm verlegten Zisterzienser-Nonnenklosters. Ursprünglich war das Rathaus die 1287 zu Ehren der heiligen Maria, dem Nicolaus und Benedikt geweihte Kirche des Klosters. Aus dieser Zeit ist ein gotischer Kreuzgewölbe-Raum, die sogenannte Krypta und eine Steinofen-Luftheizung in den Gewölben unter dem Ostflügel erhalten. Im Rathauseingang erinnert eine Sandsteintafel mit Inschrift an die erste überlieferte Weihe.

Da das Kloster vorwiegend als Versorgungsanstalt für unverheiratete Töchter aus betuchten Familien gedacht war und besonders adlige Geschlechter aus dem schwarzburgischen Gebiet die Äbtissinnen stellten, brachte es die Abtei infolge großzügiger Übertragungen von Ländereien zu einer beachtlichen Blüte. 1492 vernichtete ein Brand weite Teile des Klosters. Der Wiederauf- und Umbau dauerte bis ins 16. Jahrhundert.

Infolge der Reformation wurde das Kloster 1533 aufgelöst und vom Schwarzburger Grafen eingezogen. Aufgrund der unklaren Besitzverhältnisse bildete das Anwesen bis zum „Ilmer Vertrag“ 1599 nur ein Kammergut, und viele Nebengebäude verfielen. 1628 war es bereits unbewohnbar. Das ist etwa die Zeit, zu der die Söhne des Grafen Albrecht VII. zu Rudolstadt über der ehemaligen Kirche aus den Trümmern ein Schloss errichteten.

Das Schloss wurde während des großen Stadtbrandes am 1. August 1780 schwer beschädigt und anschließend dem Verfall preisgegeben. In der 1735 geweihten Schlosskapelle, die bei den Brand wahrscheinlich nicht beschädigt wurde, fanden nach dem Stadtbrand neun Jahre lang alle gottesdienstlichen und kirchlichen Handlungen statt. So auch die Taufe von Albert Methfessel. Von der Kapelle selbst ist heute nichts mehr erhalten.Nach dem Brand der Heidecksburg in Rudolstadt verkaufte die fürstliche Kammer das Stadtilmer Schloss.

In der kommenden Zeit wechselte das Gebäude noch mehrfach den Besitzer, war u. a. Gasthof und Lazarett in den Befreiungskriegen.Am 13. Okt. 1897 brach erneut ein Großfeuer aus und richtete beträchtlichen Schaden an. Die Ruine erwarben die Gebrüder Müller aus Vieselbach. Mit erheblichen Veränderungen wurde das Gebäude zu einem Schloßgasthof umgestaltet.

Für 100.000 Mark kauften die Stadtväter 1918 den Schloßgasthof. Anschließend begann der Umbau zum Rathaus in der heutigen Form. Ein Jahr später bekrönte man den großen Turm mit Knopf und Wetterfahne. Diese Turmbekrönung nahm man zwecks Austausch am 26.03.1993 ab. In einer eingelöteten Kapsel befanden sich verschiedene Dokumente zur Stadtgeschichte.

Stadtilm ist heute mit etwa 5.000 Einwohnern einer der größten Orte im landschaftlich reizvollen Ilmtal. Doch die Stadt blickt nicht nur auf eine lange wechselvolle Geschichte zurück, sondern ist auch ein wenig stolz auf eine Reihe Besonderheiten und Kuriositäten, die hier im Lande ihresgleichen suchen: Eine davon ist die höchstgelegene Brücke Thüringens, die die Stadtilmer bis 1900 ihr Eigen nannten. Gemeint ist jedoch nicht etwa das stattliche Viadukt, auf dem die Bahnlinie Erfurt – Arnstadt – Saalfeld die heutige B 87 quert, sondern die Verbindung zwischen den Schwestertürmen der prägnanten romanisch-gotischen Stadtkirche „St. Marien“, die um 1130 errichtet wurde. Zu sehen ist diese Brücke heute nur noch auf dem Stadtwappen Stadtilms.

Sehenswert ist auch die in Teilen erhaltene Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Sie bildete einst ein unregelmäßiges Fünfeck von ca. 1.560 Metern Länge und soll bis sechs Meter hoch sowie bis anderthalb Metern mächtig gewesen sein. Die Anlage hielt im „Sächsischen Bruderkrieg“ 1450 einer harten Belagerung stand. Zum Sieg über die Feinde soll auch „Das letzte Schwein der Stadtilmer“ beigetragen haben. Damals soll sich eine Geschichte abgespielt haben, wegen der, so die Stadtilmer heute, eigentlich eine Bratwurst in ihr Wappen gehört: Es war im „Schwarzburgischen Hauskrieg“ (1447 – 1451), als Truppen des Kursachsen Friedrich die kleine , doch wehrhafte Stadt belagerten, um sie auszuhungern. Allerdings: Die 1.800 sächsischen Söldner – anderen Quellen zufolge sollen es gar 18.000 gewesen sein – nagten selbst am Hungertuch. Die Belagerten, die schon alle Vorräte aufgebraucht hatten und nur noch eines einzigen Schweins habhaft waren, griffen zu einer verzweifelten List: Während die ungeduldigen Belagerer magenknurrend auf der Lauer lagen, begannen auf der Stadtmauer die Vorbereitungen zu einem offenbar gewaltigen Thüringer Schlachtfest. Fröhlicher Geselligkeit folgte bald der jedem Kenner vertraute Duft von Thüringer Rostbratwurst, der von den Wehrgängen der Stadtmauer zu den Sachsen hinüberwehte und dort heillose Verwirrung auslöste. Die Stadt, so ihr Schluss, schien keine Not zu leiden – der Feind rüstete zum Abzug und schon bei Einbruch der Dunkelheit soll von ihm nichts mehr zu sehen gewesen sein.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde Stadtilm mehrfach von Hungersnöten, Naturkatastrophen, Seuchen und Feuersbrünsten heimgesucht. So fielen am 1. August 1780 neben allen öffentlichen Gebäuden über die Hälfte der Wohnhäuser einem Brand zum Opfer. Da die Gebäude auf dem „Größten Markt Thüringens“ ebenfalls abbrannten, erhielt dieser danach im wesentlichen sein heutiges Aussehen.

Ein Obelisk erinnert auf dem Markt an den Komponisten Johann Albrecht Gottlieb Methfessel (1785 – 1869). Der „Sänger der Freiheitskriege“ war übrigens eine gebürtige „Blaunase“, wie die Stadtilmer scherzhaft genannt werden. Tatsächlich waren viele Einheimische in der alter Zeit Blaunasen. Denn auch hier wurde Färberwaid gewonnen.

In dem Städtchen lebte auch Friedrich Fröbel, der Erfinder des Kindergartens, ebenso sein Freund Bertholt Sigismund, der Arzt und Lehrer für Naturwissenschaften war. Nahe der nördlichen Stadtmauer kann man den „Zinsboden“ , den größten erhaltenen Speicher Thüringens, und das seit 1918 als Rathaus genutzte Schloss in Augenschein nehmen.